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Binge Eating Störung und Adipositas (Übergewicht)

Zusammenfassung: Binge Eating Störung: Informationen über Symptome, Ursachen und Behandlung von Heisshunger-Anfällen, Fressanfällen, Essattacken bei der BED

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Binge Eating Störung und Adipositas (Übergewicht)

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Frage: 
Schriftsteller: Dr. Martin Winkler
Am Klaubusch 21
29549 Bad Bevensen
Tel. 05821-960-0.
Erste Version: 2002-07-15.
Letzte Änderung: 2013-10-16.

Was bedeutet Binge Eating Störung?
Warum führen Essattacken zu Übergewicht / Adipositas?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen ADS/ADHS und Binge Eating Störungen?

Antwort:

Binge Eating Störung Heisshunger-Anfälle / Fressanfälle

Was ist eine Binge-Eating-Störung

Bei der Binge Eating Störung (Essstörung mit Essanfällen), die in vielem einer atypischen Bulimia nervosa entspricht, fehlen im Unterschied zu dieser, konsequent durchgeführte Gegenmaßnahmen gegen den dickmachenden Effekt des Überessens und der Essanfälle, so dass die Betroffenen typischerweise übergewichtig oder adipös sind und weiter zunehmen ohne dies zu wollen.

Kennzeichen der Binge Eating Störung (Forschungskriterien, gekürzt nach DSM IV)

  • Essanfälle mit dem Gefühl des Kontrollverlusts an mindestens zwei Tagen in der Woche
  • während mindestens sechs Monaten Essanfälle, verbunden mit Ekel- und Schuldgefühlen und deutlichem Leidensdruck
  • Kompensatorische Verhaltensweisen zur Korrektur des dickmachenden Effekts des Überessens werden nicht regelmäßig eingesetzt

Ein Patient mit einer Binge-Eating-Störung verspürt entweder einen nicht zu unterdrückenden Drang (Urge) nach Essen oder kann sich beim Essen selber nicht mehr bremsen (Inhibition). Natürlich können auch beide Bereiche kombiniert auftreten. Typisch ist eben, dass enorme Mengen an Lebensmitteln gegessen werden, obwohl kein Hungergefühl (mehr) besteht. Das Essen bzw. Verschlingen von Lebensmitteln erfüllt nicht den Zweck der Ernährung sondern überdeckt eher einen unangenehmen psychischen Zustand von Unruhe, Langeweile, Konfusion und Angst oder andere negative Gefühle.

Nun kennen viele Menschen das Phänomen, dass sie mal zu viel essen bzw. auch Heisshunger auf Süssigkeiten, herzhafte Speisen, Chips oder andere Lebensmittel haben. Auch bei Feiertagen oder Festen neigen einige Menschen regelmässig dazu, sich zu überessen. Das ist zwar nicht schön, aber sicher noch keine Krankheit im Sinne der Binge-Eating-Störung.

Von einer Störung spricht man erst dann, wenn Leidensdruck durch die Essanfälle bzw. durch die Unfähigkeit entsteht, dem Drang zu widerstehen bzw. sich beim Essen bremsen zu können. Erst wenn die Essanfälle regelmässig auftreten und mit Scham und Schuldgefühlen verknüpft sind, spricht man von einer BED = Binge Eating Störung.

Die Binge Eating Störung unterscheidet sich von der Bulimie im wesentlichen dadurch, dass den Essattacken nicht gegengesteuert wird und so die Betroffenen zunehmen und schwerst adipös werden können. Diese Essstörung geht, genauso wie die beiden anderen, mit einem gestörten Körperempfinden und Selbstentwertungen wegen des gestörten Essverhaltens bis hin zu Selbsthassgefühlen einher und muss bei den Betroffenen unbedingt diagnostiziert werden.

Sehr häufig für die BED (Binge eating disorder) zu Übergewicht (Adipositas). Es gibt ziemlich viele Menschen, die eine Essstörung haben, die nicht in die traditionellen Klassifikationen von , oder Binge Eating passt.

Die

Als Night-Eating-Syndrome bezeichnet man eine Variante der Binge-Eating Störung, bei der die überwiegende Menge der Kilokallorien bzw. Nahrungsmittel abends (nach 20 Uhr) zu sich genommen wird, tag entsprechen im wesentlichen denen der Bulimie.

Binge Eating Risikofaktoren

Allgemein gesprochen sind Risikofaktoren Faktoren, die die Häufigkeit und die Schwere eine Erkrankung beeinflussen. Genaue Häufigkeitsangaben zum Auftreten von krankheitswertigen Heisshungeranfällen fehlen. Man schätzt, dass etwa 4% der Erwachsenen betroffen sein könnten. Naturgemäss wird aber unter Patienten mit Adipositas (besonders Grad II und III) der Anteil weit höher sein.

Typischerweise geht die Binge Eating Störung daher mit Erkrankungen einher, die auch durch einen gewissen Suchtcharakter bzw. die Unfähigkeit einer ausreichenden Bremsfunktion im Gehirn (Inhibition) verknüpft sind. Studien zeigen somit, dass beispielsweise ein bis in die Jugend bzw. Erwachsenenalter fortbestehendes ADHS-Syndrom überdurchschnittlich häufig mit einer Binge-Eating-Problematik einhergeht.

Weitere Risikofaktoren für eine Binge-Eating-Störung sind:

  • Lebensalter: Es scheint bei der Binge-Eating Störung einerseits einen ersten Gipfel in der Pubertät zu geben, häufig sind aber Patienten und Patientinnen im Alter von 40 bis 50 Jahren betroffen
  • Andere Essstörungen: Eine andere Essstörung (wie z.B. die Bulimie) oder eine Anorexie in der Vorgeschichte kann bei einem bestimmten Teil der Patienten später zur Entwicklung von ungezügeltem Essverhalten führen.Über 20 Prozent der Übergewichtigen, die medizinische Hilfe aufsuchen, haben entsprechende typische Symptome. Aber auch für andere Übergewichtige helfen die Therapieansätze für diese Störung, da es zahlreiche Gemeinsamkeiten gibt.
  • Diäten: Gelten allgemein als Risikofaktor für die Entwicklung einer Essstörung. Speziell im Zusammenhang mit exzessivem Sport bzw. die Aufgabe von Leistungssport ist das Risiko für das Auftreten von unkontrollierten Essverhalten verstärkt zu beobachten.
  • Psychologische Faktoren scheinen einerseits bei der Entstehung der Binge-Eating-Störung eine Rolle zu spielen, ganz wesentlich verursacht aber die Scham bzw. Selbstvorwürfe in der Folge der Erkrankung eine Aufrechterhaltung der Problematik. Patientinnen mit einer Binge-Eating-Störung handeln verstärkt impulsiv und durch Gefühle getrieben, sie erleben als sich nicht als Herr ihres Handelns, die Selbstkontrolle bzw. Selbstkontrollüberzeugung ist reduziert. Häufig fallen somit bei Klientinnen mit dieser Essstörung Probleme im Umgang mit Stress und Belastungen, Anspannung und Wut, Traurigkeit und Grübeln oder Langeweile auf. Auch Depressionen sind verstärkt in Zusammenhang mit Binge-Eating-Anfällen gebracht worden
  • Sexueller Missbrauch: Hier spielt besonders die Veränderung der eigenen körperlichen Erscheinung bzw. das Nicht-Aushalten von aversiven (negativen) Gefühlen und Spannungen eine Rolle, warum es zu Heisshungeranfällen kommt.
  • Beruf: In bestimmten Berufsgruppen, etwa Fernfahrern oder bei starker Schicht-Dienst-Belastung mit unregelmässigen Mahlzeiten bzw. gestörtem Schlaf-Rhythmus ist ein gehäuftes Auftreten bechrieben.

Warnzeichen und Symptome bei einer Binge-Eating-Störung

Ein Heisshungeranfall im Rahmen einer Binge-Eating-Problematik ist wirklich ein Fressanfall. Während ein gesunder Menschen am Tag vielleicht zwischen 1500 und 3000 Kalorien zu sich nimmt, wird ein solcher Binge-Anfall in einigen Fällen 10000 bis 20000 Kalorien in kurzer Zeit (und ggf. wiederholt) haben. Typischerweise dauert ein solcher Binge-Anfall einige Stunden, manchmal aber bis zu einem ganzen Tag.

Da es im Gegensatz zu anderen Essstörungen nicht zu einem kompensatorischen Verhalten mit Erbrechen, Abführmitteln oder extrem viel Sport kommt, ist das erste Anzeichen einer Binge-Eating-Störung die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Übergewicht bzw. Adipositas. Hiermit verknüpft sind entsprechende Folgeerkrankungen und Probleme bei Adipositas wie etwa Zuckerkrankheit (Diabetes), Herzerkrankungen und Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Gallensteinleiden und einige Formen von Krebs.

Zu den Begleitproblemen der Binge-Störung gehören aber auch der Heisshunger nach Zucker bzw. Süssigkeiten, häufige Magen- und Darmschmerzen oder auch gehäuftes Auftreten von Kopfschmerzen. Hier wird auch eine mögliche Verknüpfung zur Migräne diskutiert.

Zu den psychologischen Warnzeichen bztw. Symptomen gehören:

  • Innere Verzweifelung und Hoffnungslosigkeit in einem Teufelskreis zwischen Schuld- und Schamgefühlen und wiederholten vergeblichen Versuchen der Selbst-Disziplin bzw. Selbstkontrolle.
  • geringes Selbstwertgefühl
  • sozialer Rückzug und Angst beispielsweise in ein Fittness-Studio zu gehen.
  • häufig essen Patienten mit Binge-Eating-Störung allein und meiden gemeinsame Familienmahlzeiten
  • Horten von Lebensmitteln für einen Binge-Anfall bzw. das Verstecken / Verheimlichen von Abfall
  • Finanzielle Probleme durch hohe Lebensmittelrechnungen
  • Schlingen bzw. schnelles Essen von Lebensmitteln.

Maßnahmen zur Gewichtreduktion reichen allein bei diesen Patienten nicht aus. Sie brauchen ein ebenso intensives Psychotherapieprogramm zur Aufgabe der Essstörung wie die anderen beiden Essstörungen Magersucht Anorexia nervosa) und Bulimie (Bulimia nervosa).

Die Behandlung von Essstörungen ist auch im wesentlichen an Therapieprinzipien der Bulimie orientiert.

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